Von allen asbesthaltigen Materialien in Schweizer Gebaeuden gilt eines als besonders riskant: Spritzasbest. Anders als eine intakte Eternit-Platte oder ein fest verklebter Bodenbelag kann Spritzasbest bereits im unberuehrten Zustand Fasern an die Raumluft abgeben. Wer in einem Treppenhaus, Technikraum oder einer Industriehalle vor 1986 arbeitet oder saniert, sollte dieses Material kennen.

Was ist Spritzasbest?

Spritzasbest ist eine Mischung aus Asbestfasern (meist Chrysotil, teils Amosit) und einem Bindemittel, die mit Spritzgeraeten direkt auf Bauteile aufgetragen wurde. Ziel war in der Regel Brandschutz, Waermedaemmung oder Schallschutz. Nach dem Trocknen entsteht eine graue bis weissliche, poroese, watteartige Schicht mit lockerer, fluffiger Oberflaeche.

Wichtig Spritzasbest gehoert zur Kategorie schwach gebundener Asbest und wird gemaess SUVA-Richtlinie 1903 durchgehend der Gefaehrdungsklasse hoch zugeordnet — unabhaengig von Menge oder Zustand.

Wo findet sich Spritzasbest in Schweizer Gebaeuden?

Spritzasbest wurde vor allem in oeffentlichen und gewerblichen Bauten der 1950er bis 1980er Jahre eingesetzt, seltener in Wohnbauten. Typische Fundorte:

  • Stahltraeger und Stahlstuetzen: als Brandschutzbekleidung in Industriehallen, Parkhaeusern und Treppenhaeusern
  • Betondecken: als Schall- und Waermedaemmung, oft hinter abgehaengten Decken verborgen
  • Lueftungskanaele und Technikraeume: als Isolierung von Kanaelen und Anlagen
  • Heizungskeller und Tiefgaragen: an Decken und Waenden zur Brandschutzertuechtigung

Da Spritzasbest haeufig hinter spaeteren Verkleidungen oder abgehaengten Decken versteckt liegt, wird er oft erst bei Umbau- oder Rueckbauarbeiten entdeckt.

Seit wann ist Spritzasbest verboten?

Spritzasbest wurde in der Schweiz bereits 1986 verboten — vier Jahre vor dem umfassenden Asbestverbot von 1990. Der Grund: Die Behoerden erkannten das besonders hohe Gesundheitsrisiko dieser Anwendungsform frueher als bei fest gebundenen Materialien. Details zur gesamten Verbotsgeschichte finden Sie in unserem Artikel Asbest Verbot Schweiz.

Warum ist Spritzasbest besonders gefaehrlich?

Der entscheidende Unterschied zu fest gebundenem Asbest (z.B. Eternit): Spritzasbest kann bereits durch Luftbewegung, Vibration, Alterung oder leichte Beruehrung Fasern freisetzen — ganz ohne Bohren oder Schleifen.

Nie beruehren, absaugen oder abkehren. Bereits das Abstauben oder Absaugen einer Spritzasbest-Flaeche mit einem gewoehnlichen Staubsauger kann grosse Mengen Asbestfasern in die Raumluft freisetzen. Ein beschaedigter oder bereits abbroeckelnder Spritzasbest-Belag gilt als akutes Risiko.

Wie erkenne ich Spritzasbest?

Optisch faellt Spritzasbest durch seine graue bis weissliche, poroese und watteartige Oberflaeche auf, meist mehrere Zentimeter dick auf Stahltraegern oder Decken aufgetragen. Eine sichere Bestaetigung liefert aber ausschliesslich eine Laboranalyse — wie bei allen asbestverdaechtigen Materialien reicht die optische Einschaetzung allein nicht aus. Mehr zu den Erscheinungsformen verschiedener asbesthaltiger Materialien finden Sie in unserem Artikel Wie sieht Asbest aus?, den Ablauf einer Analyse erklaeren wir in Asbest Test Schweiz.

Was tun bei Verdacht auf Spritzasbest?

  1. Bereich nicht betreten oder absperren, falls die Flaeche sichtbar beschaedigt ist oder Material abbroeckelt
  2. Nicht beruehren, kehren oder absaugen — auch keine Luftzirkulation durch Ventilatoren erzwingen
  3. Sofort eine Fachkraft kontaktieren. Wegen der hohen Faserfreisetzung wird die Probe bei Spritzasbest ausschliesslich durch geschultes Personal unter Vollschutz entnommen — anders als bei manchen fest gebundenen Materialien ist Eigenprobenahme hier nicht vorgesehen
  4. Bei bestaetigtem Befund: Sanierungskonzept durch eine SUVA-anerkannte Firma erstellen lassen

Sanierung von Spritzasbest: Ablauf

Wegen der Gefaehrdungsklasse hoch ist die Sanierung von Spritzasbest deutlich aufwendiger als bei fest gebundenem Material:

  1. Einhausung und Unterdruck: Der betroffene Bereich wird vollstaendig eingehaust, eine Unterdruckbaustelle mit Schleusensystem verhindert das Austreten von Fasern nach aussen
  2. SUVA-Voranmeldung: Arbeiten mit Spritzasbest muessen vor Beginn bei der SUVA angemeldet werden — eine gesetzliche Pflicht, nicht optional
  3. Nassabtrag unter Vollschutz: Das Material wird angefeuchtet und unter Atemschutz (Vollmaske mit Gebaeselfilter) und Einwegschutzanzug abgetragen
  4. Verpackung und Entsorgung: Luftdichte Asbestsaecke, Transport und Ablagerung auf einer Reaktordeponie Typ E/F — Details dazu in unserem Artikel Asbestentsorgung Schweiz
  5. Freimessung: Nach Abschluss bestaetigt eine Luftmessung, dass die Faserkonzentration wieder auf Normalniveau ist, bevor die Einhausung entfernt wird

Kosten der Spritzasbest-Sanierung

LeistungKosten (CHF)Hinweis
Probennahme durch Fachkraft250 – 500Inkl. Laboranalyse
Kleine Flaeche (< 10 m², z.B. einzelner Stahltraeger)2'500 – 6'000Inkl. Einhausung
Sanierung mit Unterdruckbaustelle (pro m²)150 – 400Je nach Zugaenglichkeit
Freimessung800 – 1'500Zwingend vor Rueckbau der Einhausung

Preise sind Richtwerte. Fordern Sie ein konkretes Angebot an.

Darf ich Spritzasbest selbst entfernen?

Nein — im Gegensatz zu geringfuegigen Arbeiten an fest gebundenem Asbest gibt es bei Spritzasbest keine Ausnahme fuer Privatpersonen. Als Material der Gefaehrdungsklasse hoch darf Spritzasbest ausschliesslich durch SUVA-anerkannte Fachbetriebe mit entsprechender Ausruestung entfernt werden. Mehr zur Rechtslage bei Eigenarbeiten generell in unserem Artikel Asbest selber entfernen Schweiz.

Fazit

Spritzasbest ist die gefaehrlichste Form von Asbest in Schweizer Gebaeuden — schon im unberuehrten Zustand kann er Fasern freisetzen. Bei Verdacht gilt: nicht beruehren, Bereich meiden, sofort eine SUVA-anerkannte Fachkraft beiziehen. Wir uebernehmen Abklaerung, Sanierungsplanung und fachgerechte Entsorgung aus einer Hand.

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